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Klosterküche, Steinofen, Stille: Backkurse, die mehr sind als ein Hobby

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Klosterküche, Steinofen, Stille: Backkurse, die mehr sind als ein Hobby

Photo: holzbackofen steinofen brot backen kloster bäcker handwerk, via i.pinimg.com

Es ist kurz nach sechs am Samstagmorgen, und im Backhaus eines bayerischen Klosters riecht es nach fermentiertem Roggen und Holzfeuer. Zwölf Erwachsene stehen an einem langen Holztisch und formen Landbrote, während draußen der Nebel über den Klostergarten hängt. Niemand schaut aufs Handy. Hier zählt nur der Teig.

Vom Büro in die Backstube

Szenen wie diese sind längst kein Einzelfall mehr. Backkurse in Klöstern, auf Gutshöfen und in ländlichen Backhäuseln erfreuen sich wachsender Beliebtheit – und die Teilnehmer kommen selten wegen der Rezepte. Die meisten könnten die Zutatenlisten auch zu Hause nachlesen. Was sie suchen, ist etwas anderes: das Erlebnis, ein Brot von Anfang bis Ende selbst in der Hand zu haben, begleitet von Menschen, die es ihr Leben lang tun.

Eine Teilnehmerin, Mitte vierzig, Projektleiterin aus Stuttgart, bringt es auf den Punkt: „Ich backe zu Hause regelmäßig. Aber hier, mit dem Steinofen und dem Bäcker, der mir sagt, wann der Teig genug gegoren hat – das ist etwas völlig anderes. Das geht unter die Haut."

Warum gerade das Kloster?

Klöster haben für dieses Format ideale Voraussetzungen: große, gut belüftete Küchen, oft historische Backöfen, Ruhe und Räumlichkeiten, die das Arbeiten in kleinen Gruppen möglich machen. Dazu kommt die Atmosphäre. Wer in einer Klosterküche steht, in der seit Jahrhunderten Brot gebacken wurde, spürt sofort: Dieses Handwerk ist älter als jedes Rezept, das man googeln kann.

Viele Kurse sind zudem in Klosteraufenthalte eingebettet – mit Morgenmesse für die, die möchten, und gemeinsamen Mahlzeiten für alle. Das Brot, das am Samstagabend aus dem Ofen kommt, landet oft noch warm auf dem Abendbrottisch der Gemeinschaft. Ein Kreis, der sich schließt.

Der Ablauf eines Backwochenendes

Ein typischer Kurs beginnt schon am Freitagnachmittag mit dem Ansetzen des Sauerteigs – denn ein gutes Landbrot braucht nun mal Zeit. Der Samstag gehört dann der Hauptarbeit: Teigführung, Aufarbeitung, Formen, Gare. Dazwischen erklären die Bäcker, woran man erkennt, ob der Teig bereit ist, warum die Teigtemperatur entscheidend ist und wie man den Ofen richtig anheizt.

Der Höhepunkt ist immer der Ofen. Ein Stein- oder Holzbackofen verhält sich anders als jeder Haushaltsbackofen: Er speichert Wärme, gibt sie langsam ab und verlangt vom Bäcker ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Wenn die Brote finally eingeschoben werden und die Schwaden aufsteigen, herrscht meistens eine kurze, ehrfürchtige Stille im Raum. Dann wird gezählt: 45 Minuten, 50, manchmal länger. Und dann kommt das, worauf alle warten – das dumpfe Klopfen auf die Brotunterseite, das Klingen des fertigen Brotes.

Entschleunigung als Nebenprodukt

Warum ist gerade dieses Format im Trend? Die Antwort liegt vermutlich weniger im Brot als in der Form des Arbeitens. Brotbacken folgt einem Rhythmus, den man nicht beschleunigen kann. Gärzeiten lassen sich nicht abkürzen, ohne dass das Ergebnis darunter leidet. Wer backt, muss warten – und genau dieses Warten ist in einer Zeit, in der alles sofort verfügbar sein soll, fast eine kleine Revolution.

Dazu kommt das Gemeinschaftliche. An einem langen Holztisch formen zu lernen, dabei über Mehl, Familie und das Leben zu sprechen – das schaffen kaum andere Hobbykurse in dieser Form. Das Brot ist der Anlass, die Begegnung ist der eigentliche Gewinn.

Mitnehmen, was zählt

Am Ende eines solchen Wochenendes nehmen die Teilnehmer nicht nur ein eigenes Brot mit nach Hause. Sie nehmen ein Gefühl mit: dass Handwerk machbar ist, dass Geduld ein Plan ist und dass ein einfaches Landbrot aus Mehl, Wasser, Salz und Zeit mehr befriedigen kann als so manches Wochenende im Einkaufszentrum.

Wer Lust bekommen hat: Viele Klöster und Höfe bieten ihre Kurse mehrmals im Jahr an, oft mit langen Vorlaufzeiten, weil die Plätze begrenzt sind. Und wer nicht warten will, kann ja schon mal anfangen – mit einem eigenen Sauerteig auf der Fensterbank. Der Weg zum eigenen Steinofen ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

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